Wet'n wild

Am Freitag, den 2.August, machen wir um 08:00 Uhr die Leinen los, da wir den angekündigten Westwind nutzen wollen. Wir wissen, dass er ordentlich bläst, aber es ist dann doch mehr, als erwartet. In der Hafeneinfahrt ist extrem viel Großschifffahrt unterwegs und wir schaffen es nicht, unser Groß zu setzen. Außerdem steht ein Schwell, der beachtlich ist. Zu allem Überfluss gibt es auch noch richtig ausgewachsene Schauerböen (ein Gewitter ist recht nah.) Als wir uns mühsam rausgekämpft haben, setzen wir die Genua, um zu sehen, wie das funktioniert. und- es funktioniert hervorragend. Andere Boote, die Groß und Fock gerefft gestzt haben, waren nicht schneller als wir. Mit bis zu 10 Knoten (bei 1,2 Kn Strom) sind wir dahin geschossen. Eine Welle steigt seitlich so hoch ins Boot ein, dass ich eine komplette Salzwasserdusche bekomme. Bereits um 11:48 weist uns ein netter Hafenmeister eine Box im Yachthafen von Scheveningen zu und hilft beim Anlegen.

Smoothie

Da am Samstag (Günnis Geburtstag!! :-) noch "guter" Wind ist, geht's vor 08:00 Uhr morgens gleich weiter. Das Maasdelta liegt vor uns. Es ist entspanntes Wetter und viele Yachten sind mit uns unterwegs. Kurz vor der Tonne MN1, wo das für Yachten vorgeschriebene Durchfahrtsgebiet beginnt, melden wir uns per Funk für die Fahrt an und erhalten das Okay. Es dauert nicht lange, bis wir per Funk aufgefordert werden, einen Tanker zunächst passieren zu lassen. Ansonsten ist nicht sooo viel los wie gedacht. Mittags flaut der Wind etwas ab und wir müssen die Maschine dazunehmen.

 

 

Dann wird die belgische Flagge gehisst.  

Wir reservieren telefonisch einen Liegeplatz im RBSC (Royal Belgish Sailing Club)in Zeebrugge. Ich unke noch und vermute, dass spätestens, wenn der Hafenmeister unser Boot u./o. uns  sieht, er den Hafen abriegelt. ---

Ganz so ist es nicht, als wir ankommen. Er ist super freundlich, meint aber, wir sollten an einem anderen Steg anlegen.

 

Ab jetzt verspricht der Wetterbericht tagelang nix Gutes für uns. Darum ist erstmal Sightseeing in Brugge angesagt. Nachdem wir vergeblich auf einen Zug gewartet haben, fahren wir "einfach" mit dem Rad hin und zurück. Coole Sache.

Natürlich lassen wir uns auch chocolate- and cheese- and beer-tasting nicht entgehen.

Am Donnerstag um 14.30 Uhr geht's endlich weiter. Der Plan ist, nach Dunkerque zu kommen. Der Wind kommt weiter nicht toll für uns, aber wenigstens weniger schlecht als sonst. So bescheiden sind wir schon. Und abends soll er sogar auf WNW drehen. Mit dem Strom läuft das zuerst auch richtig gut. Wir passieren Oostende und es sieht überall ähnlich aus: viele Hochhäuser. Bei Niewpoort kippt die Tide und wir werden langsam. Aber dafür sieht zum 1.Mal das Wasser wunderschön grünlich aus. Ein toller Moment! Als wir um 19:30 Uhr die bel.-franz. Grenze passieren beschließen wir, an Dunkerque vorbei und weiter Richtung Kanal zu segeln. Je später der Abend desto nördlicher kommt der Wind - so dass wir gegen 24:00 Uhr an Calais vorbei segeln. Im Kanal ist so viel los, dass wir beide wach bleiben und ständig aufpassen müssen. Das macht auch irgendwie richtig Spaß. Um 05:00 Uhr erreichen wir Boulogne-sur-Mer. Es ist sooo finster, dass die Hafeneinfahrt kaum auszumachen ist. Dann im Hafenbecken viel Fischereibetrieb und extrem viel verwirrende Lichter. Aber dafür können wir sofort am Außensteg leise festmachen. Als wir nach dem Aufklaren ein Anlegebier trinken, wird es langsam hell und die ersten Skipper kommen mit Baguette in die Marina. Endlich französische Küche!! Wir genießen es. Überhaupt- es ist schön hier. Sehr nah an der City und gute Einkaufsmöglichkeiten (endlich mal richtige Schiffsausrüster). Die erste Nacht in Boulonge wird unruhig - es weht mit 7 in Böen 9 Bft. Am Samstag stehen wir extra früh auf, um zum Markt zu gehen und das hat sich gelohnt- nicht nur, weil Horst sein ersehntes Chicken bekommen hat.

Hier sind 6 Meter Tidenhub- beeindruckend!

In der Marina entdecken wir endlich ein Boot mit Trans-Ocean Flagge. Das ist die "Tonga" aus Cuxhaven- mit Bastian und Bernd- die auch Richtung Süden will.

Sonntag hält sich das stürmische Wetter und für Montag ist viel Regen und einige Gewitter angekündigt. Die nächsten 10 Tage sieht der Wetterbericht richtig besch.... aus.

Irgendwie sind wir unruhig und auch frustriert, weil das Weiterkommen so schwierig ist. Die Idee, noch ne Woche hierzubleiben, gefällt uns beiden nicht. (Wir wollten Mitte August schon sehr viel weiter sein.) Darum gehen wir Sonntag abend nach dem Studieren aller Wettervorhersagen in die Koje, mit der Idee Montag weiterzufahren.

Montag morgen ist das Wetter noch bescheidener als vorhergesagt und wir quälen uns mit der Frage: zurück unter die Bettdecke? Derweil ziehen schon mal zwei Gewitterzellen mit Blitz und Donner über uns hinweg. Irgendwie ist der Frust aber so groß, dass wir trotzdem entscheiden, loszufahren.

 

So verlassen wir den Hafen um 11.30 Uhr in einer Gewitterpause und machen uns auf den Weg- so hart am Wind, das es fast gegenan ist und mit 1,5 m Welle.

Spaß sieht wirklich anders aus!!!

Um 21.15 Uhr erreichen wir Dieppe, sogar ohne ein Gewitter abgekriegt zu haben. Mehr Glück als Verstand?? Unterwegs haben wir seeehr viel Wasser übergenommen und ein Blick in die Achterbilge verrät, dass auch dort etwas gelandet ist. Sch...

Erschöpft fallen wir in die Koje und fragen uns, ob der Törn bisher das Zeug zur Nr.1 der "Bad Trips" hat.

 

 

 

 

Am nächsten morgen sieht unsre Welt so aus und die Laune ist nur so mäßig. Es ist nachts auch nur 14 Grad- tagsüber immerhin 16-18 °-  und wir vermissen eine warme Schlafanzughose.

 

Wir machen uns ein leckeres Frühstück mit Croissants und viel Rührei und gehen davon aus, dass der Tag nicht trocken wird.

Dann klart es tatsächlich auf und wird trocken. Wir gehen sofort auf Entdeckungstour und stellen fest, Dieppe ist total schön und hat südländisches Flair.

Die ersten Tage in Dieppe vergehen wie im Flug, da einige Sachen gebastelt bzw. repariert werden müssen. Dann werden wir aber wieder ungeduldig. Weil ich mit meiner überschüssigen Kraft irgendwo hin muss, wird das Kajak ins Wasser gelassen und ich gehe auf Entdeckungstour. Auf der Fahrt in den Vorhafen wundere ich mich über Lautsprecher-Durchsagen, kann aber nichts verstehen. Die Angler auf der Kaimauer gucken mich entgeistert an. An der Hafeneinfahrt wieder Lautsprecher- ich kriege ein mulmiges Gefühl und paddle wieder zurück. Auf einer Brücke steht ein Gendarm, der ziemlich laut ruft, dass ich zu ihm kommen solle. Ich versuche ihm zu erklären, dass ich das Kayak zum Schiff bringe und dann komme. Mir ist klar, das gibt Ärger. Wir laufen gerade zu ihm los, da steht er auch schon und teilt mir sehr sehr deutlich mit, dass es "very strongly forbidden" ist, im Hafengebiet Kajak zu fahren. Nach und nach wird er ruhiger und ich komme am Ende glimpflich davon.

 

Es ist die Nacht von Dienstag auf Mittwoch (21.08.) als wir um halb 2 aufstehen und um 01:55 Uhr die Leinen losmachen. Nein- es ist nicht der gute Wind, der uns losfahren lässt. Es ist wenig Wind, aber aus einer guten Richtung und das Wetter ist sogar auch gut. Wir fahren mit einem Fischer zusammen raus, zunächst gegen die Strömung. Und es sind tatsächlich 09° !!!! SCHATTIG!!!

 

 

Gegen 08:00 Uhr haben wir Fecamp querab, am Vormittag den Port von Le Havre-Antifer. Horst wirft zum 1.Mal seine Angel aus und nach ca. einer Stunde zieht etwas kräftig an der Schnur, die gespannt eingeholt wird. Leider ist es nur ein großes Büschel Seetang- kann man essen, muss man aber nicht.

 

Am Nachmittag überqueren wir den 0-Meridian und befinden uns nun auf der West-Hälfte der Erdkugel.

 Nach knapp 19 Stunden erreichen wir um halb 9 abends Cherbourg. Wir ahnen, dass der der Aufenthalt hier kurz wird, da das Wetter gut wird. Darum nach dem Ausschlafen einkaufen, Boot checken, Auftanken, Route planen und nur ein schneller Gang in die Stadt. Es ist sehr schön- endlich Palmen!!-hier wären wir gern etwas geblieben.

 

Aber am nächsten Morgen um 06:00 Uhr geht es weiter. Die Strömung nimmt uns sehr schnell mit (11,4 Knoten!!) Wir passieren die Insel Alderney, dann Sark und schließlich Guernsey. Dann tauchen die ersten Delfine auf. Ich bin zuerst so begeistert, dass ich die Kamera vergesse und bis ich soweit bin.... Aber wenn du genau guckst, kannst du einen auf dem Foto erahnen :-)

Später begegnet uns ein ganzer Schwarm. Wir erkennen ihn, weil auch ein Vogelschwarm mitfliegt- einfach großartig.

Am Nachmittag, als ich gerade unter Deck bin, rutscht Horst in der Plicht aus und prellt sich seine linke Hand sehr stark . Zuerst haben wir Sorge, es könnte etwas gebrochen sein, aber wir haben Glück und es bleibt bei einer starken Schwellung und leider ziemlichen Schmerzen. Gut, dass er ein ausprägter Rechtshänder ist.

Die Fahrt in die nächste Nacht ist wunderschön, da das Wetter friedlich ist und der Sonnenuntergang grandios. Wir reservieren einen Platz in der Marina von Roscoff, da wir dort mitten in der Nacht ankommen werden. Der Mond ist noch nicht zu sehen, als wir um halb 2 in den stockdunklen Hafen einfahren und die Hafeneinfahrt ist wirklich wirklich eng!! Aber "unser" Platz ist tatsächlich noch frei.

Nach dem Ausschlafen freuen wir uns darauf, dass Anne und Jürgen aus Emden mit ihrer Rasmus in den Hafen kommen. Die beiden haben uns ein Paket und wichtige Post mitgebracht. Wir treffen uns auf der Enterprise B und feiern unser Wiedersehen.

Am Sonntag- nachdem wir notwendige Arbeiten an Bord erledigt haben-  grillen wir auf der Rasmus, die gemeinsame Zeit vergeht wie im Flug. Es gibt viel zu erzählen, da die zwei die Bretagne gut kennen und lieben.

Montag morgen reisen sie weiter und wir hoffen sehr, dass wir uns bald wiedersehen!!

Wir bereiten unsere Abfahrt für Dienstag vor und machen einen Stadtbummel.

Wir verschlafen am Dienstag morgen und kommen erst um halb 9 los- das ist besonders blöd, da wir das enge und nicht tiefe Fahrwasser vor der Ile de Batz fahren wollen. Wir sind sowieso schräg drauf und die Betonnung im Fahrwasser ist auch noch anders als auf der Karte. Außerdem ist es bedeckt, nieselt und die Sicht ist schlecht. Aber die 31 sm sind gut zu schaffen. Die Zufahrt zum Hafen nach Aber Wrac'h verläuft durch kleine Felsformationen und ist aufregend. Es sind nur wenige Tonnen beleuchtet- und dabei müssen wir am Donnerstag (29.08.) den Hafen -mal wieder nachts- um 04:00 Uhr verlassen.

 

Es ist kalt, sehr sehr feucht und zappendunster, als wir die Leinen wieder losmachen. 2 Augen konzentriert auf den Plotter, 2 Augen mit Blick ins Dunkel, um die unbeleuchteten Tonnen nicht zu "treffen".  Eine Stunde später ist das geschafft, aber es steht eine quabbelige See, die im Boot alles mögliche klappern und schlagen lässt. Aber schon um 11:00 Uhr erreichen wir

Camaret-sur-Mer und werden fürstlich belohnt mit Sonne, einem gemütlichen kleinen Hafen, wunderschönem Ort und herrlichen Stränden. ( Es wird immerhin 20° heute- und in Deutschland tobt die Hitzwelle!)

Hier muss Enterprise mal wieder gründlich gecheckt werden- wir haben etwas Komisches im Dieselfilter; sieht aus wie eine Muschel.

Die Muschel entpuppt sich als Dreckklumpen, der leider nicht der einzige im Filter war- also muss ein neuer Dieselfilter eingebaut werden.