Danach schlägt das Herz erstmal eine ganze Weile ziemlich heftig- Schlafen ist vorbei.

Gegen Morgen wird der Wind weniger, aber das macht nichts, da wir ohnehin Zeit haben. Um 11:30 Uhr am Freitag (01.11.)sind wir 2 sm vor der Einfahrt in den Fluss Bouregreg, in dem die Marina liegt. Der Fluss trennt die beiden Städte Sale und Rabat, die Marina liegt auf der Seite von Sale.

Wir versuchen sie anzufunken, aber es kommt keine Reaktion. Darum gehen wir vor Anker. Wir hören zum 1.Mal den Gebets-Gesang und freuen uns riesig hier zu sein!!

Um 13:00 Uhr klappt das Funken und es wird uns ein Schlauchboot versprochen, das und in die Marina begleitet. Mit uns geht "GinGin" in die Marina. Wir werden gemeinsam zum Einklarierungssteg geleitet uns es kommen unverzüglich Zoll und Polizei an Bord. Zwei sehr nette Männer lassen uns die Formulare ausfüllen und nehmen alle Dokumente im Original und unsere Pässe mit. Sie versprechen, uns diese nach einer Stunde wiederzubringen. Dann soll der Drogen-Spürhund an Bord kommen. Er geht schon widerwillig an Bord von "GinGin", auf unser Deck traut er sich gar nicht. Wir sind nicht traurig, dass unsere Betten hundefrei bleiben. Danach wird uns ein Liegeplatz in einer modernen kleinen Marina zugewiesen. Die Stege werden von Polizisten rund um die Uhr bewacht. Wir trauen uns eine Weile nicht von Bord, da wir ja auf unsre Dokumente warten. Aber abends gehen wir dann doch duschen. (Nach der Dusche gibts einen leckeren gesüßten Minztee in der Capitainairie.)

Um 22:00 Uhr klopfts an Deck und wir bekommen unsre gestempelten Pässe und alles Andere wieder.

 

Nach dem Ausschlafen machen wir den Erkundungsgang in die Medina von Sale und sind wirklich überwältigt. Wir hatten eine Vorstellung davon, weil wir schon einmal in Marrakesch gewesen sind. Aber hier ist es völlig anders. Ganz ursprünglich, nix für Tourismus, manchmal extrem einfach und arm. Wir sind so geplättet, dass wir nichtmal Fotos gemacht haben- aber das holen wir nach.

Was für ein wunderbares Geschenk, das wir jetzt hier sind!!

 

 

Am Montag wollen wir Rabat erkunden und fahren mit dem für Einheimische üblichen "Verkehrsmittel" auf die andere Uferseite- einem Ruderboot. Das Übersetzen kostet 25 Cent pro Person und es herrscht reger Verkehr. Ca. 20 Boote sind im Einsatz.

Wir besuchen den Königspalast, das Mausoleum, die Kasbah und die Medina. Es ist insgesamt städtischer in Rabat, es gibt sehr viel mehr Touristen( sogar Busse voll) und wir finden mit Hilfe einer einheimischen Frau einen Supermarkt. (Da wir uns nicht genügend verständigen können, führt sie uns tatsächlich dorthin.)  

Das Leben ist hier so günstig, dass wir abends etwas essen gehen- am Rand der Medina. Die Menschen sind allesamt sehr freundlich und offen. Wir haben viele schöne Begegnungen, kommunizieren mit Händen und Füßen und die Kinder mögen auch hier auf meinen Arm kommen.

Es gibt in Sale nur ganz kleine Geschäfte, die meisten Dinge werden an oder auf der Straße verkauft.

Ins Internet zu kommen ist hier schwierig.Die Marina hat zwar Wlan, aber das funktioniert kaum.

Das Wetter soll für einige Tage "unsegelbar" sein. Seit heute ist der Hafen gesperrt- Schiffe dürfen weder ein- noch auslaufen. Das stört uns nicht, da wir ohnehin nach Fes reisen wollen. Wir waren schon beim Bahnhof und haben versucht herauszufinden, wann und wo der Zug dorthin abfährt. Könnte spannend werden. Eine Unterkunft in einem Riad haben wir bereits gebucht.

Am Mittwoch, 06.11., gehts also morgens los zum Bahnhof. Es ist komisch, Enterprise B zu verlassen und wir geben sicherheitshalber "GinGin" unseren Bootsschlüssel. Wir bekommen Fahrkarten sogar mit Sitzplatzreservierung. Das erweist sich als sehr praktisch, da der Zug wirklich proppenvoll ist. Wir kommen durch Kenitra, dann Meknes, immer weiter in die Berge. Wie groß die Armut ist, können wir nicht übersehen. Und der Umgang mit Müll ist auch sehr sichtbar. Nach 3 Stunden erreichen wir Fes. Wir können am Bahnhof einen Stadtplan kaufen, aber erkennen und lesen können wir ihn nicht. Wir nehmen ein "Petit Taxi", das uns in die Nähe des Riads bringt. Von dort ist es nur noch ein kurzer Weg. Er geht mitten durch die Medina und die Gassen sind extrem schmal und dunkel- etwas gruselig.. Aber das Riad sieht sehr schön aus. Es ist ein Wohnhaus aus dem 14.Jh, die Zimmer sind mit den Namen der jeweiligen ehemaligen Bewohner benannt. Unser Gastgeber spricht gut Englisch und mag es kaum glauben, das wir mit dem Boot in Marokko sind.

Am Nachmittag machen wir eine erste Erkundungstour. Es ist völlig anders, als wir es uns (nach Marrakesch) vorgestellt haben. Die Stadt ist nicht touristisch vermarktet. Die Menschen leben hier sehr einfach und sind zum Teil extrem arm. Wir wagen uns erstmal nur in die große Straße der Medina und kommen aus dem Staunen nicht heraus. Die Mauer um die Medina 16 km lang und es gibt 9600 Straßen/Gassen. Gewaltig!

Für den Donnerstag hat unser Gastgeber einen Guide für uns organisiert. Es ist ein Mann, der in der Stadt geboren ist und sie liebt. Natürlich trägt er die Orginal-Kleidung, aber ohne Kopfbedeckung. Durch ihn bekommen wir wirklich viel zu sehen und vieles erklärt. Wir werden zum Aussichtspunkt gefahren (wo wir einen tollen Blick auf das Mittelatlas-Gebirge haben), fahren entlang der Mauer der Medina (die komplett von Störchen besetzt ist), besuchen eine Töpferei, Webereien, die Gerberei (stinkt bestialisch!!), Kräuter- und Ölgeschäfte, Holzschnitzer, das berühmte blaue Tor (das übrigens von innen gesehen grün ist), die älteste Universität der Welt (die heute eine Moschee für 22000 Menschen ist), den Königspalat und einige Geheimtipps in der Medina.

Den Freitag verbringen wir wieder auf eigene Faust- wir wollen eigentlich in den riesigen botanischen Garten. Aber er ist, wie das meiste Andere auch- geschlossen. Ist halt Freitag. Dafür entdecken wir die Lokale, die auf Trip-Advisor empfohlen sind. (Können wir nicht immer ganz nachvollziehen.)

Am Samstag machen wir uns wieder an den Rückweg- klappt problemlos. Wir sind happy, wieder an Bord zu sein. Und Glück haben wir auch. Unser Ventil der Toilette schließt scheinbar nicht mehr richtig. Sie steht jedenfalls randvoll bei unserer Ankunft, aber noch nichts übergelaufen. Tirilli- Glück ist Geschick!!

Das Wetter für die kommende Woche sieht besch... aus. Macht noch immer nix, da wir die Schäden unserer letzten Tour noch reparieren müssen ( Beschläge für Großsegel, Genuaschot, AIS.).

Am Sonntag, 10.11., machen wir uns zu Fuß auf den Weg zu einem "richtigen" Supermarkt. Wir kaufen ordentlich ein und fahren dann mit einem Petit Taxi wieder zurück.

Montag gibt es ein Gericht, welches Horst sich aus einem Kochbuch ausgesucht hat. Eine Stunde nach dem eigentlich leckeren Essen geht es uns beiden wirklich schlecht. Die Nacht hindurch und den ganzen Dienstag kann man uns vergessen. Am Mittwoch gehts langsam bergauf.

 

Nachtrag vom Skipper

Vor einer Woche, auf dem Fußweg von der Marina nach Rabat, hat mich ein loses Brett auf der Uferpromenade ausgehebelt und mir zu einem heftigen  Sturz verholfen. Anke konnte sich noch so gerade fangen. Mit dem linken Unterarm landete ich auf dem Boden und hoffte eigentlich, dass es mit Blutergüssen am Handgelenk sowie einem dicken Knie erledigt ist. Beim Knie haben sich die Hoffnungen erfüllt...Das Handgelenk wollte wohl abschwellen, nur die Schmerzen blieben unverändert. Also heute mit dem Petit Taxi zur Polyklinik Tour Hassan nach Rabat und in die Ambulanz. Ich: nix Arabisch und nix Französich - das Personal an der Rezeption (so heißt es hier) nix Englisch oder Allemane. Eine herbeigerufene Ärztin mit Englischkenntnissen konnte vermitteln. In kürzester Zeit wurde ich untersucht und natürlich - ab zum Röntgen. Zwei Häuser weiter das selbe Spiel - alle immer sehr freundlich und fast schon lustig drauf: Dr. Röntgen: Allemane and only Englisch - nix Französich - HaHa! Okay-nach der Vorabzahlung von 300 Dirham (ca. 30Euro) wurden 3 Röntgenbilder gefertigt und mir mit Händen und gebrochenem Englisch erläutert: nix Frakture...evtl. kleiner Riss. Ab zum behandelnden Professor Dr. X in die Ambulanz. Der hat sich nochmals die Bilder angeschaut und gründlich das Handgelenk etc. abgetastet und die Mobilität überprüft. Mit dem Übersetzungsprogramm Babbel hat er mir deutlich gemacht: schwere Handgelenksverstauchung und evtl. kleiner Haarriss. Gipsverband zur absoluten Ruhigstellung muss sein. Okay :-(

Dafür hat er die Schiene auch selber mit Hilfe einer Assistentin angelegt. Nachdem wir uns verabschiedet haben, durfte ich an der Rezeption dann 1300Dirham (130Euro) für die Untersuchung inklusive Gipsverband zahlen. Das ganze dauerte eine gute Stunde und ich konnte zurück in die Marina. Im Ergebis: super nette Ärzte und Pfleger/innen und eine sehr gute Organisation!

Das Fazit- einige Zeit mit Gipsverband  - kein Segeln - längerer Aufenthalt in Rabat - Skipper mit bester Laune (siehe Foto )!

 

Um keinen Boots-Koller zu kriegen, wollen wir am Montag (18.11.) eine Shopping-Mall besuchen und ordentlich einkaufen. Wir nehmen die Tram bis in Rabats Neustadt, von da aus sind es noch 7 km zu laufen. Zunächst geht es durch einen Park, wir verlaufen uns etwas, dann wollen wir quer durch ein Wohngebiet. Wir wundern uns, da die Häuser sehr schön und eher Anwesen sind. Es ist das Botschaftsviertel, wie wir feststellen. An jeder Straßenecke und auch zwischendurch stehen Polizisten und jedesmal, wenn wir kommen, bricht über Funk die große Unruhe aus. Uns beschleicht das Gefühl, das wir der Grund dafür sind. Als wir eine gute Stunde später das Viertel verlassen, spricht uns ein Polizist an. Er meint- mit Händen und Füßen und arabisch, französisch und englisch-, dass es in Marokko absolut unüblich ist, zu Fuß durch die Gegend zu laufen. Es wäre wie 1960 hier und Jeder fährt jede Strecke mit dem Auto. Und er fragt mehrfacj nach, ob wir das verstanden haben. Ja- haben wir. Und zurück nehmen wir ein Taxi. (Für ein Taxi bezahlt man, je nach Strecke, zwischen 2 und 5 €)

 

 

Am Mittwoch fahren mit dem Zug nach Casablanca (1,5 Std. entfernt). Das Wetter ist nicht prickelnd. Wir besuchen "Rick's Cafe, die Hassan- die 2.- Moschee, die alte Medina und das Restaurant "Les Fleurs".

Die Atmosphäre im Cafe ist wirklich toll, Humphrey Bogart könnte gefühlt jeden Moment reinkommen. Wir nehmen einen Cocktail an der Bar- ganz stilecht :-)

 

Es ist spät und duster, als wir wieder an Bord sind.

Es ist Montag, der 25.11., als es - endlich!!- weitergeht. Es ist zunächst wenig Wind angesagt, aber das muss ja auch, damit die Welle vor der Flusseinfahrt nicht über 2 Meter steht und die Marina das Ausfahren zulässt. Darum wundert es uns nicht, das so ziemlich alle Schiffe in der Marina los wollen. 15 Yachten haben sich zum Ausklarieren angemeldet. Und da der Anlegesteg vor der Polizeistation nicht lang ist, können dort immer nur 2 Boote gleichzeitig festmachen. Am Sonntag kursieren die ersten Auflistungen mit der Reihenfolge der Yachten, die zum Ausklarieren kommen sollen. Wir sind irgendwo mittendrin. Aber diese Listen werden immer wieder verändert, vor allem dann am Montag morgen. Einige scheinen sehr aufgeregt, Andere wollen sich gerne vordrängeln. Es ist wie im echten Leben :-)

Per Funk werden die Boote benachrichtgt, wann sie dran sind. Wir sind mittags am Steg. Die Pässe werden zum Abstempeln gebracht, Papiere ausgefüllt, dann erfolgt noch einmal ein Kontrollbesuch an Bord. Alle sind äußerst freundlich. Dann geht es endlich wieder weiter.

 

Wir haben uns mehrere Routen zurechtgelegt, da wir nicht wissen, wie wir an Bord mit dem einarmigen Skipper zurechtkommen. Darüber hinaus habe ich (Anke) seit der Nacht eine üble Erkältung. Da wir mit achterlichem Wind rechnen und dummerweise unseren Blister nicht an Bord haben ( Hartwig: du hattest so recht!!) ziehen wir vor der Abfahrt eine 2.Genua ein, um "Schmetterling" segeln zu können. Ausbaumen geht nicht, da der 5 Meter lange Baum für mich zu schwer ist und Horst das mit einer Hand nicht händeln kann.  Aber durch die Wellen schräg von achtern stehen die Segel nicht gut und schlagen immer wieder durch die Gegend. Richtig ätzend!! Wir rollen sie etwas ein und müssen häufig den Motor dazunehmen. Die Stimmung ist besch... an Bord- aber die Delfine schaffen es immer wieder, uns aufzumuntern.

 

Am Mittwoch morgen will ich gerade etwas über die Reling kippen, da werde ich von einer Fontäne getroffen. Direkt neben dem Schiffsrumpf taucht ein Wal auf, der locker unsere Bootslänge hat. Völlig crazy !!!

Der Wind nimmt etwas zu, die Wellen auch, das Segeln bleibt für uns schwierig, aber wir entscheiden trotzdem, weiter nach Lanzarote zu segeln. Immerhin ist das Wetter konstant und sonnig. Leider haben wir Neumond, was bedeutet, das die Nächte sehr lang (13 Std.) und stockfinster sind. Das bedeutet, nach 4 Std. Wache im Dunkeln, 4 Std. Augen zu, dann nochmal Wache im Dunkeln. Das ist nicht sehr angenehm.

 

Leider ist es auch dunkel, als wir La Graciosa erreichen und dann um 01:30 Uhr die Marina Arrecife ansteuern. Praktischerweise kommt mit uns die Aida Nova hier an und leuchtet uns den Weg. Der Wind hat heftig aufgefrischt und unsre schlecht aufgerollten Genuas wollen sich lösen. Wir können nichts dagegen tun. 

Weder telefeonisch noch über Funk können wir uns in der Marina anmelden, da die "Nachtschicht" unser Anliegen nicht versteht und eine spanische verbale Salve abfeuert. Also geht es so in die Einfahrt. Sie ist eng und sehr schlecht zu erkennen, aber es gelingt uns gut. Und einen Platz am Kopfsteg ist auch sogar frei. Als wir alle Leinen liegen haben, kommt der Mariniero sogar noch vorbei. Wir dürfen bis morgens dort liegen und sollen uns dann anmelden. Okay- endlich schlafen!

 

 

 

Das Wetter ist großartig am Morgen und wir sind happy.

Angemeldet haben wir uns  schon vorab online- denn hier wollen wir nun einige Wochen bleiben- sozusagen überwintern. Es gab guten Rabatt dafür.  Die Marina liegt ganz in der Nähe der Altstadt, wir können alles bequem erreichen und die Auswahl ist wieder groß. Ziemlich schräg kommt uns die Weihnachtsbeleuchtung vor.

Am 1. Advent sind wir mit etlichen Anderen auf der schwedischen Yacht "Sailing Svea" zu Glögg und Gebäck eingeladen. Es gibt auch Weihnachtsmusik. Und kurze Hosen.

 

Für die nächste Zeit sind erstmal Bootsarbeiten angesagt. Wir schreiben Listen, die immer länger werden, mit den Dingen, die jetzt erledigt werden müssen. Sightseeing kommt später.