Wir lernen Marieke und Bjorn von der Salty kennen und planen mit ihnen gemeinsam die Biskaya-Überfahrt zu starten. Die Boote werden vorbereitet, alles fest verzurrt, die Windsteueranlage montiert, Großeinkauf gemacht, Eintopf für mehrere Tage vorgekocht, Brot gebacken.

Und am Sonntag( 01.09.) um 12.00 Uhr gehts los. Zunächst läuft es ganz friedlich, bis wir uns - in selbstverschuldeten - kreuzlaufenden Seen befinden, weil wir zu dicht unter der Ile de Sein steuern. Wir sind erleichtert, als wir die Gefahrentonne endlich passiert haben!

Das Groß zieht nicht gut und wird abends geborgen, aber die ausgebaumte Genua arbeitet gut. Es ist ziemlich schaukelig in der Nacht und auch in der Freiwache nicht einfach, etwas Schlaf zu kriegen. Am nächsten Morgen, als ich müde das Steuer übernehme, höre ich Geräusche, die ich nicht sofort einordnen kann- Delfingesang! Auf allen Seiten des Bootes schwimmen Delfine- ganz dicht am Rumpf ( ob sie Enterprise mit ihrem schwarzen Unterwasserschiff wohl für das Muttertier halten?). Und das eine halbe Stunde lang. Das ist wirklich wunderbar.

Gegen Mittag ruft Horst plötzlich, dass er einen Wal gesehen hat. Ich komme sofort raus und sehe, wie er aus dem Wasser springt. Ich bin zu perplex, um an die Kamera zu denken.

Der weitere Tag verläuft gut, aber abends frischt es wieder auf. Der Spi-Baum kann gerade nach rechtzeitig eingeholt werden, die Wellen werden deutlich höher. In der nächsten Nacht schlafen wir beide kaum. Es ist so unruhig im Boot, das auch essen machen richtig schwierig wird. ( Auf Toilette gehen ein echtes Abenteuer.)

Am dritten Morgen übernehme ich die Wache. Bin so müde, dass ich mich in die Plicht lege, mit den Füßen festklemme, und meinen Handy-Timer auf 15 Min. stelle- damit ich nicht "verschlafe". Eine hohe Welle schleudert mich komplett vom Sitz mit dem Rücken auf den Boden. Das Gute: ich bin eingepickt und liege da unten sicher. Das Schlechte: es sind solche Schmerzen in meinem ohnhin nicht jugendlichen Rücken, dass ich ohnmächtig werde. Nachdem ich wieder da bin und alles bewegen kann, ist die Erleichterung groß. Aber der Schreck war ordentlich und von den Schmerzen habe ich wohl länger etwas.

 

 

 

 

Am frühen Mittwoch Abend sehen wir Festland. Viva Espania!!

Wir haben A Coruna nicht direkt angesteuert und können nun mit achterlichem Wind entspannter darauf zusteuern. Es ist mal wieder Nacht als wir ankommen und sehr viele Fischer unterwegs. Bei einem hatte ich das Gefühl, er wünschte uns nichts Gutes. Wie auch immer ich ihm ausweichen wollte, er wollte es nicht. Schließlich half wirklich nur das Manöver des letzten Augenblicks.

Es ist 03:15 Uhr als wir im Hafen festmachen. Es sieht schon ziemlich leer aus und die letzten Stege sind schon mit Netzen überspannt, damit sich über den Winter nicht die Vögel darauf niederlassen.

 

 

Nach dem Ausschlafen sehen wir, dass Salty neben uns festgemacht hat. Die Freude ist riesig, denn wir hatten unterwegs den Funkkontakt verloren. Darum gibt es erstmal ein gemeinsamens Frühstück und die Erlebnisse werden ausgetauscht.

 

 In A Coruna treffen wir auch einige andere Yachten, die wir schon öfter gesehen haben. Das sind nun alles Menschen, die ähnliche Pläne haben wie wir.

 

 

Mit der Überquerung der Biskaya haben wir eine erste große Herausforderung geschafft. Seit Beginn der Reise wurde immer wieder mit Stegnachbarn gesprochen und die meisten hatten deutlich Respekt davor. Und da wir später im Jahr als erhofft diesen Törn (378nm - 700km) starten konnten, sind wir umso erleichterter und auch ein wenig stolz darauf. Nun segeln wir dem Sommer hinterher und sind guter Dinge, an unserem nächsten Zielort ihn zumindest für ein paar Tage (dann die ersten seit 2 Monaten) einzuholen und ins Schwitzen zu kommen. Unsere Freude auf die weitere Reise ist riesengroß!

 

Wir bezahlen gleich für 5 Nächte, da wir uns hier etwas erholen wollen. Außerdem wollen wir Dirk- der auf Spanienrundreise ist- am Sonntag treffen.

Die Stadt lädt sehr zum Bummeln und Genießen ein. Eine schöne Altstadt, "Fressmeilen", eine Markthalle und besonders spektakulär: Der Herkules-Turm- der älteste noch in Funktion befindliche Leuchtturm der Welt!

 

Als wir von einem Einkauf wieder an Bord kommen., höre ich ein Pumpen-Geräusch und weiß sofort, dass hier etwas nicht stimmt. Vor dem Losgehen haben wir den Boiler angemacht. Offentsichtlich ist der Temperaturregler kaputt gegangen, dass Wasser wurde immer weiter gekocht- so lange, bis  sich ein Schlauch gelöst hat und das gesamte Wasser sich in der Pantry im Schrank und im Vorratsschrank verteilt hat und dann in die Bilge gelaufen ist. Ohne die Automatikpumpe möchte ich mir nicht vorstellen, wie es an Bord ausgesehen hätte. Aber auch so ist das Ausmaß nicht witzig.

 

Wir haben bis Sonntag morgen alles wieder so weit getrocknet (oder wegwerfen müssen), dass wir uns auf Dirk freuen können. Es gibt ein schönes Frühstück, natürlich Sightseeing und abends wird gegrillt. Da ist`s dann mit der Entspannung leider schon wieder vorbei. Wir wollten eigentlich erst Dienstag weiter, damit wir mehr gemeinsame Zeit haben. Nun ändert sich das Wetter/Wind aber.... - wir müssen Montag morgen los.

 Total schade, dass wir uns von Dirk schon wieder verabschieden müssen! ( Nicht einmal Frühstück gab es noch .)

Mit uns verlässt auch Salty den Hafen und bis zum Cabo Finistere schippern wir gemeinsam. Es zieht Nebel auf, fängt leicht an zu nieseln und es wimmelt von Delfinen. Eine Stunde weiter klart es wieder auf, das Cap ist wunderbar zu sehen und Salty geht in seinem Schutz ankern. Wir gehen weiter bis in den Ria del Muros und in die Marina. Um 23:oo Uhr werden wir freundlich von 2 Hafenmeistern per Taschenlampe in eine Box gelotst. Toller Service! Die Marina ist überhaupt sehr gemütlich und es liegen hier mehrere Boote zum Überwintern.

Am Mittwoch- das Wetter ist super- ist großer Waschtag.

Donnerstag morgen kommt zum ersten Mal der Zoll zu uns an Bord. Es wird ein Formular zu Boot und Menschen ausgefüllt und ist schnell erledigt. Mittags verlassen wir die Marina, um in der Ria zu ankern, den- Achtung- es sind 31°!! Es ist ein wunderschöner und entspannter Tag vor Anker, mit ausgiebig paddeln und relaxen, den wir nicht enden lassen wollen. Drum ist es am Freitag auch recht spät, bis wir unsere Klüsen aufkriegen. Eigentlich würden wir gerne noch ein paar Tage so verbringen, aber die Wetterinfos.....

 

 

Also wieder alles verstauen und Anker auf. Aber die Ankerwinde will nicht. Horst geht auf Fehlersuche: Wegen eines Wackelkontakts ist eine Sicherung durchgebrannt. Darum muss die ganze Hundekoje leergeräumt werden.....

Um 17:30 Uhr geht der Anker auf und das Groß wird direkt gesetzt. es ist ein wunderschönes entspanntes Segeln bis ums Cabo Corrubedo ( Hier machen wir ein Foto für Lewis). Dann lässt der Wind immer mehr nach , flaut ganz ab, dann wird die Luft plötzlich ganz komisch heiß, und dann kommen aus dem Nichts solche Böen, dass Enterprise innerhalb von Sekunden von 2kn auf 9,3 kn Fahrt hochschießt. Wir müssen schnell beide Segel weit öffnen und dann auch die Genua reffen. Waren wir genau im Auge eines Hochs???

Wir rauschen dahin und da der Mond fast voll ist, sehen wir die berühmten Illas des Cies an uns vorbeiziehen. Gegen 01:00 zieht schnell vermeintlicher Nebel auf, der seltsam riecht. Wir schaffen es in den Hafen von Bayona, bevor nichts mehr zu sehen ist. Um 02:30 liegen wir fest. Das Internet verrät uns dann, dass der Qualm, der uns umgibt, von den verheerenden Waldbränden stammt. Als wir um halb 4 endlich in der Koje liegen, teilen wir uns diese mit gefühlten 1000 Fliegen, denen der Qualm wohl auch nicht gefallen hat. So schlafen wir kaum, müssen dafür aber um 09:30 Uhr 44€ Liegegeld bezahlen. Die Sanitäranlage ist auch noch besch... Also- eine schnelle Runde zum Bäcker, alles aufklaren und um 14:00 Uhr sind wir wieder unterwegs.

 

 

Diesmal ist der Wind nicht so toll wie versprochen und wir nehmen zur Unterstützung den Motor dazu, weil für die Nacht Gewitter angesagt sind. Nachmittags überqueren wir die portugisische Grenze.

Um 23:45 Uhr erreichen wir den Industriehafen von Porto- Leixoes. Ja- es ist so hässlich, wie der Name klingt, aber viel übler ist der Geruch hier. Ein Gemisch aus Raffinerie, Öl und Fisch.  Betten lüften kann man hier getrost vergessen.  Aber es ist hier so viel preiswerter als in Porto, dass wir das in Kauf nehmen.

 

Der Sommer ist wieder vorbei und ich habe endlich Zeit, unseren Blog etwas zu verändern. (Anne hat mich darauf hingewiesen, dass es nicht praktisch ist, wie ich das angefangen habe. Und recht hat sie!!!) Hoffentlich ist das jetzt etwas Nutzer-freundlicher?! Die neuesten Nachrichten werden ab sofort unter "Aktuell" zu sehen sein :-)

In Leixoes erleben wir, dass alle Dinge recht preiswert sind- für unser Empfinden. Darum gönnen wir uns auch zum ersten Mal "Essen gehen" in einem typisch portugisischen Lokal, wo wir definitiv die einzigen Touris sind. Das Menü kostet pro Person         € 5,90und ein Bier €1,40. Dazu eine tolle Atmosphäre und interessante Beobachtungen. Überhaupt ist Leixoes viel schöner als gedacht, da es hier viele kleine Geschäfte gibt, die sehr ursprünglich sind und wo Einheimische einkaufen.  Wir suchen lange nach einem Bootsladen, da wir ja neue Sicherungen brauchen. Wir finden das Geschäft mit einiger Mühe und können die Teile sogar bestellen. Und zwei Tage später sind sie tatsächlich da. 

 

Natürlich steht auch ein Tag in Porto an. Das ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln überhaupt kein Problem und super preisgünstig ( 1,40€ p.P.).Aber die Stadt erscheint uns sehr touristisch und voll. Einmal Schlange stehen vor der berühmten Livraria Lello ( Buchhandlung mit den Treppen, die J.K. Rowling inspiriert haben) reicht uns an Touri-Tour. Eine Bootsfahrt auf dem Duoro schenken wir uns.

Eigentlich wären wir am Donnerstag (19.) gerne weiter gefahren, aber es kommen drei Tage, in denen der Nebel so dick ist, dass das unmöglich ist. Am Sonntag ist der Nebel endlich weg, aber dafür Sturm mit südlichen Winden und heftiger Regen. Na toll- das geht weiter gar nicht. Und scheinbar bleibt das noch länger so. Unsre Idee, am kommenden Wochenende in Lissabon zu sein, müssen wir abhaken.

Am Dienstag, den 24., beschließen wir, dass es am Mittwoch früh losgehen soll. Wir gucken zur Sicherheit mit unserer Unterwasserkamera, ob unser Rumpf schon Algen angesetzt hat. Aber glücklicherweise haben die vielen Fische nachts den Rumpf immer sauber geputzt. Das waren zunächst ganz ungewohnte Geräusche- aber sehr willkommen.

Mittwoch früh legen wir also ab, mal wieder mit "Salty". Wir wissen, dass Draußen noch eine erhebliche Dünung vor der Küste steht, aber als ein anderer Segler nach kurzer Zeit wieder in den Hafen kommt, wird uns etwas mulmig. Die ersten zehn Minuten müssen wir uns auch wirklich an die Wellen gewöhnen, die locker 2,5m hoch sind. Dann ist aber alles prima. Es ist relativ wenig Wind und wir kommen gemächlich voran. Zur Nacht nimmt der Wind weiter ab, die Welle wird dafür ruppiger und wir haben eine richtig ungemütliche Nacht. Den Motor anwerfen steht nicht zur Debatte, da wir die extrem vielen Fischernetze fürchten.Da es um 20:00 Uhr Ortszeit zappenduster ist und erst 12 Std. später wieder hell, dauert die Nacht sehr lange. Aber mit der Sonne steigt auch die Laune wieder und natürlich mit den unglaublich vielen Delfinen, die uns immer wieder lange Zeit begleiten und mit unserem Rumpf spielen. Wie müssen sehr gut Ausschau halten, um die Fischerfähnchen zu umfahren- was bei dem Seegang nicht einfach ist. Am Donnerstag Nachmittag erreichen wir das Cabo da Roca- den westlichsten Punkt des Festlands des europäischen Kontinents!!

 

Gegen 20:00 Uhr erreichen wir- genau mit der Dunkelheit- Cascais. Eigentlich wollten wir weiter den Tejo hinauf fahren, aber wir sind müde. Das erweist sich kurze Zeit später als Glücksfall, als wir hören, dass alle Marinas ausgebucht sind. Auch in Cascais steppt der Bär, da am Wochenende die "Ironman"- Wettkämpfe sind. Darum bekommen wir auch nur bis Montag einen Liegeplatz zugesagt.

Wir wollen aber länger bleiben, da wir von Mittwoch bis Sonntag  Besuch von Hanni und Günther bekommen. Darauf freuen wir uns sehr!!!

 

 

 

 

Ein erster Besuch von Lissabon steht für Sonntag auf dem Plan. Wieder ganz entspannt mit der Bahn.

Wir haben übrigens hier den Sommer noch einmal eingeholt. In Cascais sind es 23 Grad, in Lissabon sogar 28. Das genießen wir sehr. Da irgendwie auch die Nachsaison angefangen hat, ist es in der Stadt wunderbar auszuhalten. Und ja- sie ist so toll, wie alles sagen.