Ende November haben wir einige Tage, an denen es zwischendurch kräftig regnet. Die Gomeros sagen, dass es Jahre ist, dass so viel Wasser herunterkam. Alle sind ganz begeistert. Am 1. Dezember bin ich mit Rike im Auto nach Hermigua unterwegs, weil wir dort zum Friseur gehen. Wir sehen Wasserfälle und richtige Bäche unterwegs. Wunderschön.

Leider kommen mit dem Regen auch einige Felsbrocken herunter und manche Straßen sind kaum passierbar.

Rike fährt tolle Strecken, kennt überall die Menschen auf den Straßen. In Agulo besuchen wir ihre Schwiegermutter und bekommen bei ihr einen Kaffee. Ein schöner und spannender Tag!


CORONABLUES ?!


Wie bei vielen anderen Crews auch, treibt uns die Frage um, wie und wann es richtig erscheint, Richtung Karibik, Panama usw. aufzubrechen.

Die Flotte des ARC startet nach unserem Eindruck mit einem Viertel der sonst üblichen Stärke und wir wissen von teilnehmenden Profiskippern, dass dies ihr Geschäft ist und sie ihren Lebensunterhalt damit bestreiten müssen.
Zusätzlich sehen wir per VesselFinder und MarineTraffic, dass durchaus eine Menge weiterer Segelyachten Richtung Karibik und Kapverden startet. Von La Gomera aus sehen wir viele Franzosen und Briten sowie einige Deutsche, Schweden und Dänen. Gespräche mit den deutschen Crews ergeben, dass diese zumeist eine Atlantikrunde machen und das Jahr dafür schon vor Jahren am Arbeitsplatz festgelegt wurde und die Kinder jetzt noch nicht zur Schule müssen.
Befreundete Crews in Deutschland haben ihren Start auf 2021 verschoben.


Was machen wir?

Haben wir zeitlichen Druck und müssen diese Saison starten? NEIN
Gefällt es uns nicht mehr auf den Kanaren und haben wir schon alles hier gesehen? NEIN
Konnten wir bislang die vor der Weiterreise erforderlichen ärztlichen CheckUps machen? NEIN
Ist eine Impfung vor der Weiterreise in dieser Saison möglich? NEIN
Kennen wir die Situation, die uns bei einer Abreise in dieser Saison am Ziel erwartet? NEIN
Halten wir eine Impfung bei angestrebtem langjährigen Aufenthalt auf der Barfußroute für angeraten? JA
Ist eine Impfung vor der Abreise Herbst 2021 wahrscheinlich? JA
Verpassen wir etwas, wenn wir die Abreise um eine Saison verschieben? UNWAHRSCHEINLICH
Fühlen wir uns wohl bei der Entscheidung noch länger hier zu bleiben? JA

Okay! Coronablues ade!

Das Leben genießen!

WIR STARTEN IN DER SAISON 2021/22 !

Am 9. Dezember hat Horst Geburtstag!! Und ja, nun ist er 60 Jahr. (Ich finde das wohl weniger schlimm als er.)

Wir hätten natürlich gerne mit den Kindern  gefeiert, aber...

Und trotzdem ist es ein super schöner Tag. Leckeres French- Toast in der Sonne in der Plicht, dann Geschenke auspacken. Von den Kindern gibts ein Multi-Tool mit Gravur und das Messer wird natürlich direkt auf seine Schärfe getestet. Also- Finger schneidet es schon mal prima!
Viele Gratulanten am Telefon.

Danach kommen die Boots-Nachbarn zum Sekt. (Sie haben am Morgen sogar eine Geburtstags-Girlande am Boot aufgehängt.) Sie bringen ihm eine Bierdosentorte mit. Sowas möchte ich wohl auch mal bekommen ;-)                     Und kleine Törtchen gibts auch noch dazu.

Noch ahnt Horst nicht, das wir uns abends noch einmal treffen- das ist eine Überraschung.

Nachmittags machen wir unsre übliche Spaziergangsrunde zum Leuchtturm. Er hat alle Zeit der Welt und will noch weiter laufen, während ich schon auf Kohlen laufe. Denn für 19 Uhr habe ich Gaby, Wolfgang und Rike gebeten, schon in unserem Lieblingslokal zu sein. Das habe ich für den Abend reserviert, einschließlich Sektbegrüßung und Geburtstagstorte.  Das Besprechen vorher mit dem Koch war etwas kompliziert, aber Google translater macht vieles möglich.

 

Als wir kurz nach sieben beim Lokal ankommen, denkt Horst noch, dass wir allein essen gehen. Er sieht zunächst Rike und wundert sich. Dann die beiden anderen auch und wundert sich noch immer. Aber spätestens beim Ständchen ist ihm alles klar. Ich habe ihm sogar etwas gedichtet- das macht eigentlich Horst immer gern. Wir bestellen einige Gerichte zum Teilen und machen irgendwann

schlapp. Dann kommt noch die Geburtstagstorte obendrauf- super lecker. Der Koch freut sich mit uns und isst auch ein Stück mit. Er hat übrigens am Tag drauf Geburtstag.

 

Am Samstag, den 12.12., startet der "Talisker Whisky Atlantic Challenge" in unserer Marina. 21 Boote starten, um mehr als 3000 Seemeilen über den Atlantik nach Antigua zu rudern. Seit zwei Wochen sind die Boote auf Gomera und die Teams sind nach und nach eingetrudelt. Die angespannten Nerven sind auch für uns zu spüren. Jedes Team wird ca. 1,5 Millionen Ruderschläge machen. Die Ruderer werden im Wechsel 2 Stunden rudern und 2 Stunden schlafen- durchgehend. Die Ruderer sollten 10 Liter Wasser pro Tag trinken, sie verbrauchen 5000 Kalorien in 24 Stunden und verlieren durchschnittlich 12 Kg an Körpergewicht.

An seiner tiefsten Stelle ist der Atlantik 8,5 km tief.

Von den 21 Booten sind 8 Solo- Ruderboote- davon eine Frau; 2 Zweier; 1 Frauen-Trio; 10 Vierer- Teams, davon 3 Frauen- Teams und zwei gemischte Teams. Wir sind schwer beeindruckt von dem, was diese Menschen vorhaben, was sie sich trauen und zumuten.

Natürlich sind viele Menschen in der Marina, um die Ruderer gebührend zu verabschieden. Die jüngste Ruderin ist 21 Jahre und solo unterwegs, der älteste Teilnehmer- ebenfalls solo- ist 70 Jahre.

 


Leider lassen sich Anfang der Woche die vielen  Gäste, die Gomera besucht haben (es sind auch wieder Kreuzfahrer unterwegs und es gab durch einen Feiertag ein langes Wochenende) auch in der Covid-Statistik ablesen. Die Zahlen schießen nach oben.


Wir machen -fast- jeden Tag eine (kleine) Wanderung. Die Standard-Route führt uns zum Leuchtturm, zum Playa Abalo und über den Berg zurück. Aber auch richtig begeistert sind wir von der Strecke nach El Cabrito- mal allein und mal mit Freunden.

Und Laufen macht ja bekanntlich durstig- wie man auf dem Foto von Horst und Thomas (SY Walkabout/ Norderney) sieht.  Thomas und Frauke sind auf dem Weg nach Canada für ausgiebige Wandertouren.

Und plötzlich ist es Weihnachten. Uns ist bewusst, wie gut wir es hier haben. Und wir genießen unsre Zeit. An Heiligabend macht Moises- unser Lieblingskoch- sein Lokal extra für uns auf. Sein Wunsch ist, dass er kochen darf, was er möchte. Eine typische Win-Win- Situation! Simone, die auch hier lebt und arbeitet und mit der ich mich ein wenig angefreundet habe, hilft uns glücklicherweise, die ganzen Leckereien zu vertilgen.

Bei einer unserer Touren mit Fahrrad und Roller Richtung Chejelipes, kommen wir an der Bar Atajo vorbei. Da wir sie zum ersten Mal geöffnet sehen, überlegen wir, ob wir dort einen Cortado trinken. Da kommt auch schon Holger an und lädt uns an seinen Tisch ein. Seine Frau Claudia und er leben dort im Barranco schon seit 10 Jahren. Wir haben eine Menge interessanter Themen und es bleibt nicht beim Cafe. Viele Stunden später und leicht "angeschickert" (würde Basti von der "Tonga" sagen) machen wir uns gerade noch rechtzeitig vor dem Dunkelwerden auf dem Heimweg- glücklicherweise nur bergab.

 

Am 30. kommen überraschend Kathi und Jürg (SY Stella Maris) von Teneriffa mit der Fähre herüber gefahren. Wir treffen uns am Abend zum Apero und haben einen ziemlichen Spaß. Für Insider sag´ich nur "Käsetulpe" und "Löli" :-)

 

So rutschen wir tags drauf auch noch gemeinsam ins neue Jahr hinein. Nachdem wir um 23:15 Uhr das Lokal verlassen müssen, gehen wir an Bord der "Mon Amour", um gemeinsam anzustoßen. Am Strand gibt es ein tolles Feuerwerk. Kathi und Jürg müssen um 01:00 Uhr gehen, da um 01:30 Uhr die Ausgangssperre beginnt. Es wird viertel nach vier bis wir Gaby und Wolfgang auch in die Koje gehen lassen.

Wir wünschen euch für 2021,

 

dass Corona wieder ein Bier ist,

dass Positiv wieder etwas Gutes ist,

dass Tests wieder in der Schule stattfinden,

dass Isolieren wieder für Häuser und Kabel gilt,

dass man mit einer Maske Fasching feiern kann

und dass Donald wieder eine Ente ist.

 

HAPPY NEW YEAR