Am Montag, den 1. Juni, machen wir uns früh morgens auf in die Werft. Wir müssen nicht lange warten und werden an Land geholt. Die Planung ist, das unsere alten Borddurchlässe und Seeventile ausgetauscht werden und ein neues für den Wassermacher hinzukommt. Darüber hinaus soll das Antifouling gereinigt und von uns ausgebessert werden, die Anoden und der Sanitärschlauch erneuert werden sowie eine neue Packung für die Stopfbuchse kommen.

Wir haben so mit 3 bis maximal 4 Tagen gerechnet, so dass wir auf jeden Fall zum Wochenende wieder schwimmen.

So der Plan- aber das echte Leben hat andere Pläne. Beim Öffnen der Stopfbuchse stellt sich heraus, das diese von innen total vergammelt ist und neu muss. Wir entscheiden, auf eine einfache Gummi- Stopfbuchse zu wechseln, die sehr verbreitet ist. 

Beim Ausbau der Antriebswelle dreht der Monteur eine Schraube am Flansch ab, die Welle muss zersägt werden.

Wir brauchen also auch noch eine neue Welle.

 

Es ist die ganze Woche über 30 Grad.  Da auf dem Gelände überall Unterwasserschiffe abgeschliffen oder etwas gesägt oder lackiert wird, ist es wenig sinnvoll unter Deck zu "lüften". Der Dreck und Staub findet ohnehin seinen Weg in alle Ritzen. Da die Werft direkt an der Stadt-Umgehungs-Autobahn liegt, ist die Erleichterung nachts auch nicht gewaltig.

 

(Das ein neuer Sanitärschlauch nötig war kann man am unteren Bild gut erkennen!)

 

Die Tage vergehen. Wir müssen morgens kurz vor 8.00 Uhr immer parat sein, falls an Bord irgend etwas passiert.                           Falls nicht- manana.

Es ist kein tolles Leben an Bord. Wir können ja kein Wasser benutzen, nicht spülen, keine Toilette, nicht mal Zähne putzen.

 

Je mehr Tage vergehen, umso mehr spekulieren wir, was das Vergnügen wohl kosten wird. Vom Werft-Chef erfahren wir nicht viel. Unsre Bitte nach Mitteilung der Arbeitsstunden wird immer auf manana vertagt. Horst setzt sich ein Limit- sollte die Rechnung höher ausfallen, will er katholisch werden.

 

Es vergehen tatsächlich 12 Tage, bis wir am Freitag, den 12.Juni wieder im Kran hängen. Erst da wird uns die Rechnung präsentiert. Wir sind mit ihr nicht einverstanden und nach etwas Gerangel bekommen wir einen Teil wieder erstattet. Aber katholisch müsste Horst eigentlich trotzdem jetzt werden.

 

Wir machen direkt eine kleine Probefahrt, um zu testen, ob alle Ventile dicht sind und wie der Motor nun läuft. Und es scheint so, als ob die seltsamen Geräusche unter Maschine, die uns schon seit Portugal nervös gemacht haben, mit der neuen Welle verschwunden sind. Das wäre super!!

 

Die nächsten Tage verbringe ich mit der Reinigung der Enterprise von innen und außen. Dann kommt auch noch die lange überfällige Korkreinigung dran. Müüüühsam! Horst quält sich unterdessen mit  der abschließenden Installation des Wassermachers ab. Am 18. Juni ist  das soweit fertig.

 

Freitag, 19. Juni, ist mein Geburtstag. Zur Feier des Tages darf Horst mir meine Haare ein Stück abschneiden ( Was hab ich ein Vertrauen in diesen Mann!) Leider bin ich immer noch nicht alt genug, um auch "vernünftig" zu sein. Wir feiern nämlich in meinen Geburtstag rein- mit von Horst kreierten Mojitos. Der Morgen ist also nicht so dolle.

Aber mittags schlendern wir in die Stadt, um etwas zu shoppen. Auf dem Rückweg bringt Horst eine Tasche an Bord, denn wir wollen etwas Essen gehen. Ich stehe vor dem Steg und stütze mich auf meinem heiß geliebten Roller ab, der dort am Geländer festgekettet ist.

Nach dem Essen, auf dem Rückweg, fährt mich von hinten auf dem Bürgersteig ein Fahrzeug leicht an. Ich gehe zur Seite und werde von einem Roller überholt- von meinem Roller!!!! Es dauert ein paar Sekunden, bis ich realisiere, was ich sehe. Ein Jugendlicher auf meinem Roller. Ich sage- das ist mein Roller. Horst und ich rufen, er soll stehen bleiben- aber mein Roller ist zu schnell. Der Junge gibt ordentlich Gummi, Horst versucht rufend hinterher zu rennen, aber erfolglos. Wir laufen eine ganze Zeit noch durch das Viertel, aber er ist verschwunden. Ich kann es gar nicht fassen und bin sowas von traurig.....

(Den Roller habe ich mir zum 50.Geburtstag von allen aus der Familie zusammen gewünscht und er war immer mehr als ein Fortbewegungsmittel. Er war auch mein Sportgerät und ein Garant für Spaß.)

Am nächsten Tag gehe ich an der Promenade entlang und sehe dort, wie ein Mann ein schickes Sportrad an ein Paar verkauft. Später erfahre ich, das am Freitag viele Zweiräder gestohlen wurden, auch das Rennrad unseres Bootsnachbarn.

 

 

Am Sonntag, den 21.Juni, ist der Alarmzustand in Spanien vorbei. Zwar dürfen internationale Touristen erst ab 1.Juli wieder ins Land kommen, aber wir dürfen nun wieder unterwegs sein und freuen uns wirklich sehr darauf!


Kleiner- aber super feiner- Nachtrag zum Roller:

Mein Schwiegerpapa hat Mitleid mit mir und verspricht mir einen neuen Roller, sobald wir mal nach Deutschland kommen.

Daaaaanke Erich- das ist wahnsinnig lieb !!


Jetzt erwachen wir so richtig aus unserem Corona- Schlaf und wollen die allerletzten Arbeiten erledigen. Darum wird das Pumpsystem der Toilette "gewartet". An einer Gummidichtung leckt schon lange etwas Salzwasser und das soll sich nun ändern. Es vergehen eine Menge Stunden, um die Apparatur mit Anleitung auseinanderzunehmen, zu reinigen, neue Gummiringe u.ä. einzusetzen, zu fetten und am Ende wieder so zusammenzubauen, das keine Teile übrig bleiben. Wir sind ziemlich happy, als abends um 21:00 Uhr dieses wichtige Gerät wieder funktioniert. Und das auch noch einwandfrei- yeah!

 

Dann verbringen wir noch einen Tag damit, unser Boot sektionsweise innen leerzuräumen und mit Tankwasser zu fluten. Davor haben wir uns immer gescheut. Aber wir müssen wissen, ob unser Bilgensystem (4 unabhängige Bilgen-Pumpen für die 4 Sektionen) funktioniert. Wir starten im Achterschiff und sind erstmal entsetzt, weil die elektrische Pumpe nicht absaugt, obwohl sie zu funktionieren scheint. Darum pumpen wir mit der Hand-Lenzpumpe. Das geht schon einmal. Nach einer Weile hat sich die elektrische Pumpe dann auch überlegt zu funktionieren. Es kam sehr viel Dreck mit dem Wasser nach Draußen- wurde also höchste Zeit, das wir die Leitungen mal durchspülen. Ähnlich war es mit Motorraum, Vorschiff und Vorpik auch. Eine größere Aktion- aber erfolgreich.

 

Am Freitag, den 26. Juni, machen wir bei Hiper-Dino einen Großeinkauf und nutzen den kostenlosen Lieferservice ans Boot- eine tolle Sache, vor allem, wenn Frau keinen Roller mehr hat.

 

 

Dann beginnen wir uns von Las Palmas zu verabschieden.

Wir sind exakt 5 Monate hier gewesen. Wer hätte das gedacht??!

Es war ein absolut guter Ort, um die schwierige Zeit zu verbringen. Wir haben sicher gelegen, mussten uns keine Sorgen wegen einer herannahenden Hurrikanzeit machen, haben in unmittelbarer Nähe alles bekommen können, was wir gebraucht haben, hatten freundliche Menschen an unserem Steg, haben jede Hilfe bekommen, die nötig war.

Dies feiern wir noch ein letztes Mal in unserem Lieblingslokal "La Brava" in der Altstadt. Wir feiern aber ebenso sehr, dass wir nun weiter ziehen dürfen- auch wenn die Lage in der Welt noch sehr unsicher ist (und wir auch). Wir verabschieden uns von dem engagiertesten Kneipier, den wir je kennengelernt haben.

 

 

 

Richtig gerne verabschieden wir uns von den Cucarachas, die überall zu finden sind. (Ich Weichei habe mich einfach nicht näher rangetraut.) Die ausgewachsenen Exemplare sind handtellergroß und wirklich gruselig. Ihren Hauptwohnsitz haben sie wohl in den Damen-Duschen. Je später der Abend, desto sicherer ist es, das jener Besuch aus den Abflussgittern der Dusche zu mehrereren rauskrabbelt. Da man genau dort mit den Füßen steht, ist das so eklig- übelste Träume garantiert. Auch wenn man abends durch die Straßen läuft, begegnen sie einem überall. Es ist auf jeden Fall besser, nicht auf ein Tier draufzutreten, da die Weibchen bis zu 200 Eier in sich tragen können. Wenn wir unter den Schuhen so ein paar Eier mit an Bord bringen würden- ach nöööööö

Am Dienstag, den 30.Juni, verlassen wir früh morgens unseren Liegeplatz- der freie Platz vor dem blauen "Aguas de Teror". Es geht erstmal zur gegenüber liegenden Tankstelle und dann

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Wir sind wieder frei !!!! Ein wunderschönes Gefühl.

Das Wetter ist gar nicht so prickelnd und es ist auch ziemlich viel Wind, aber mit wenig Segel geht es ab. Nur mit dem Kuttersegel erreichen wir bei raumen Winden bis zu 8,5 Knoten-siehe MarineTraffic! Die Insel entlang Richtung Süden, um die Spitze herum, an den Dünen von Maspalomas entlang und vor Pasito Blanco Anker fallen lassen, Badesachen raus, Schnorchel raus- wir machen jetzt mal Urlaub!!