Die Sonne geht auf.......Beitrag von Horst

Am Samstag, den 2.Mai, wird nach 7 Wochen „Lockdown“ in Spanien die verhängte Ausgangssperre auf den Kanaren gelockert.

Nach 49 Tagen, in denen wir lediglich zum Supermarkt, zur Apotheke oder zum Arzt durften, freuen wir uns nun auf die „ neue kleine Freiheit“.

In den 49 Tagen haben wir geschätzt
an 25 Tagen das Boot nicht verlassen;
sind 30 mal zum 250m entfernten Minimarkt gegangen und
6 mal zum Supermarkt;
hatten 0 Gäste;
haben 0 Besuche gemacht;
haben 3 Nachbarn von Boot zu Boot/ Ponton gesprochen.

Nun also ein paar Dinge, die wir wieder dürfen-  oder auch Phase 0 genannt.

In unserer Altersklasse 15 bis 69 Jahre dürfen wir
von 6 bis 10 Uhr und
von 20 bis 23 Uhr

in einem Umkreis von 1km um unseren Wohnort spazieren oder Sport ausüben.
Joggen und Radfahren darf man auch weiter entfernt.
Wir haben das Glück(?) in diesem Umkreis den Stadtstrand zu haben.
Allerdings darf man sich auch dort nur sportlich betätigen -inkl. schwimmen-.
Sonnenbaden und das abkühlende Bad bleiben verboten.
Und natürlich alles am liebsten mit Maske und 1,5 Meter Mindestabstand.

Wir also gestern um 8:30 Uhr aus dem Bett und mit Roller (ohne E) und Fahrrad zur Strandpromenade.
Oh - laufen hier die Vorbereitungen für den New York Marathon und die Tour de France???
Mindestabstand? 🤣🤣🤣unmöglich!
Wir korrigieren die Richtung - stadtauswärts!
Kaum besser! Wir fühlen uns total unsicher - solche Menschenmassen nach den einsamen Wochen sind sehr ungewohnt.

Nach ner knappen Stunde sind wir wieder glücklich an Bord. Aber es ist ein großartiges Gefühl, mal wieder alle Muskeln- oder was davon noch übrig ist- zu spüren.

In der Marina ertönt nachmittags ein Ruf vom Kajak und siehe da : es wird erhört. Erstmals in Las Palmas lassen wir es zu Wasser und Anke dreht einige Runden im Hafen.

Abends um 21 Uhr machen wir dann auf dem Marina-Gelände einen ausgiebigen Spaziergang. Der Hafen ist mit über 1.250 Liegeplätzen sehr weitläufig und man kann die einzelnen großen Pontons nicht betreten.
Wenig Menschen-gute Luft am Wasser!
Schöne Sache-machen wir nun täglich so!
Das hat den Tag dann noch positiver abgerundet!

Wir sind sehr froh über diese Entwicklungen!!!

Das Wetter ist derzeit mit 10-13 Sonnenstunden und so um 25 Grad für uns total perfekt.
Wir frühstücken in der Plicht und sind permanent im Freien.
Anke hat angefangen das Dinghicover zu nähen - wohl die mühsamste und langwierigste Arbeit seit langem. Ich versuche sie, soweit ich kann, zu unterstützen. Die Nähmaschine scheint diesen Auftrag innerlich abzulehnen und ist bockig. Das nervt natürlich, macht Anke auch nicht froher und macht es umso komplizierter.
Okay - akzeptiert- wir machen heute am Sonntag, den 03.Mai, einfach Wochenende für uns drei!
Morgen gehts dann (vielleicht) weiter.

Sooooooo.........was hat diese Zeit nun mit uns gemacht?

Wir sind richtig gut in unserem neuen Leben angekommen und haben uns entspannt.
Viele unserer Gedanken sind bei der Familie, bei Freunden und Bekannten und deren Erlebnissen. Das jüngste Enkelkind Thea wächst und gedeiht-nur kennenlernen und erleben würden wir sie gerne-kommt noch!
Lotta erfreut uns mit Liederrätseln und erzählt in lieben Videos-erleben wir auch bald wieder live.

Segelfreunde aus Deutschland verschieben ihren Start um ein Jahr, andere überlegen noch.
Crews sind auf den Kap Verden, Surinam, Guadeloupe und Aruba etc. gestrandet. Einige segeln nicht weiter, sondern zurück-brechen also ab. Unsere Lieblingscrew erwartet Nachwuchs und will in einem Törn aus der Karibik nach Deutschland und wir drücken heftig die Daumen.
Andere und auch wir überlegen, wann es wie und wohin weitergeht.
Kann man es riskieren ohne Impfung weiter zu segeln? Wir wissen es nicht.
Auf jeden Fall geht es weiter Richtung Westen und die Kap Verden werden nach den Kanaren unser nächstes Ziel sein. Nur der Startzeitpunkt steht noch nicht fest.

Die Kanaren haben sehr geringe Infektionsraten. 3 Inseln sind gar C- frei.
Wir fühlen uns hier gut aufgehoben und haben noch einiges zu entdecken, können also getrost die Entwicklung abwarten und uns dann entscheiden.
Frei wie der Wind!

Zwei Wochen weiter gibt es die nächsten Lockerungen- und wir genießen es. Die Außenbereiche der Lokale sind wieder geöffnet. Wir laufen zu unserer Lieblings-Bier- Kneipe in der Altstadt und bekommen nach etwas Wartezeit tatsächlich einen der drei Tische. Die Freudenstimmung wird etwas zu heftig begossen- der nächste Morgen macht gar keinen Spaß.

 

Aber die Arbeiten gehen auch voran. Das Dinghi- Cover ist endlich fertig. Ich bin nicht so richtig zufrieden mit meinem Ergebnis, aber es funktioniert zumindest- sogar mit extra Spritzdecke. Ob der hellgraue Stoff wohl die richtige Entscheidung war?

Die Schutzhaube für den Außenborder habe ich schon vor längerer Zeit gemacht.

 

 

Jetzt, wo viele Näharbeiten erstmal erledigt sind, bekomme ich vielleicht sogar eine robustere Nähmaschine. Unser Segelmacher hier versucht, für uns eine aufzutreiben.

 

Horst hat derweil den Diesel aus dem Tagestank komplett abgesaugt, da der Tank gereinigt werden muss. Wir haben undefinierbaren Schmutz im Dieselfilter. Diese mühsame und stinkende Aktion lohnt sich wirklich. Gleichzeitig sind wir froh, dass es nicht die Dieselpest ist. (Damit haben wir auf dem Vorgängerboot schon Bekanntschaft gemacht- brauchen wir definitiv nie wieder!)

 

 

Für eine Woche mieten wir uns ein Auto, um mal etwas Neues zu sehen. Wir fahren in die Berge und- da die Parks noch alle geschlossen sind (so richtig mit Schranken davor), suchen wir uns einen Wanderweg quer über einen Berg und durch den Wald. Das tut richtig gut. Und wir sehen auch nur 2 Menschen unterwegs.

Natürlich nutzen wir auch die Gelegenheit, um Lidl leerzukaufen- das war mal nötig. Und "King Hogar"- ein großer Baumarkt, muss auch sein.

Am Mittwoch Vormittag gehts 20 km über die Autobahn zum Gas-Werk. Nur dort können wir unsere Gasflasche wieder befüllen lassen. Wir wissen, dass sie nur vormittags aufhaben. Horst steht mit der Gasflasche um 2 Minuten nach 11 Uhr vor dem Eingang und wird mit deutlichen Worten abgewiesen: Befüllen nur bis 11 Uhr möglich. Kommen Sie morgen wieder.

Unsre Begeisterung hält sich in Grenzen, aber nützt ja nix.

Mit einer 11 Kg Gasflasche kommen wir gut 3 Monate aus. Wir machen alles mit Gas, vom Kaffeewasser kochen bis zum Brot backen.

 

Jetzt, wo auch Chandler und Werft wieder geöffnet haben, planen wir, wie es weiter geht. Wir entscheiden, doch nicht zur Werft nach Arrecife zurückzusegeln, sondern hier in die Werft zu gehen. ( Die Entscheidung wurde uns leicht gemacht, da Arrecife noch nicht einmal die benötigten Ersatzteile besorgt hatte- obwohl es seit Januar abgemacht war.)

 

 

Am Dienstag, 26.Mai, lesen wir in den Nachrichten, dass zum Juli die Quarantäne- Regeln für einreisende Touristen komplett aufgehoben werden und eine "sehr mächtige Werbekamagne" um Touristen gestartet wird. Nach den wirklich drastischen Maßnahmen hier und den Ankündigungen, dass Alles sehr langsam wieder hochgefahren werden soll, erstaunt uns das sehr.

Was das wohl für Auswirkungen haben wird???